Die Nachbarin
Ned ist gestern 18 geworden und leidet heute noch unter den Nachwehen der Geburtstagsfeier. Aber er ist auch traurig neben seinem Kater. Eigentlich hatte er felsenfest damit gerechnet, daß er von seiner zwei Jahre älteren Freundin Samantha endlich entjungmannt worden wäre, aber nichts war’s. Dabei hatte er sich innerlich schon darauf eingestellt gehabt. Sie hatte ihm in den letzten Tagen schon so etwas zugeflüstert auf ihre Art, nie offensichtlich, aber soviel Zweideutigkeiten war er normalerweise von ihr nicht gewohnt. Er wußte, sie hatte schon mal, also wäre es für sie doch keine große Überwindung gewesen, wenn sie ihn wirklich lieben würde.
Nur war die Feier mit viel Alkohol über die Strenge geschlagen und hatte sich hinterher verlaufen, so daß die beiden erst gar keine Möglichkeit mehr hatten,sich miteinander zu vergnügen. Ja, und nun war er der Einzige in seiner Klasse,der noch nie mit einem Mädchen geschlafen hatte. Na, wenn das kein Grund zum Traurigsein ist…
Gegen Mittag hatte er sich aus dem Haus geschlichen und war um die Blocks gestreift, ziellos sozusagen, wußte gar nicht, wohin mit seinen Gedanken, erst mal in die Reihe bringen, dann konnte man weiter sehen. Und jetzt kommt auch noch die Sonne zwischen den Wolken hervor und überflutet die Straßen der kleinen Vorstadt mit ihrem hellen Schein. Es hätte so schön sein können.
