Besucher vom Mars
Feb 3rd, 2010 by rasta
Dröhnend und pfeifend nähert sich ein Raumschiff der Erde. Zwei seltsame Geschöpfe steigen aus und schweben zu Boden. Das junge Paar - beide Wissenschaftler - kommt vom Mars zu Besuch, um unsere Erde kennenzulernen.
Sie gelangen zu dem Schluss, dass ein Gespräch mit Bewohnern dieses Planeten am raschesten zum Ziel führen werde, also machen sie sich auf die Suche nach geeigneten Kandidaten. Mit der den Marsmenschen eigenen geheimnisvollen Leichtigkeit betreten sie ein Appartmenthaus und besuchen ein jungverheiratetes Paar namens Everett und Gladys Sprinkle. Nun, Everett und Gladys sind überaus erstaunt, finden sich jedoch sehr schnell mit der merkwürdigen Situation ab. Man plaudert über dieses und jenes, und schliesslich kommt man auf das Thema der Fortpflanzung zu sprechen. Der Marsmann verblüfft die Sprinkles mit dem Anerbieten, vorzuführen, wie sich Lebewesen auf seinem Planeten vermehren. Bevor sie verlegen protestieren können, packt der Marsmann die Marsfrau, legt acht dicke Finger seiner einzigen Hand auf ihre Stirn, und während er zu funkeln beginnt und sie zwinkert, öffnet sie sich auf einer Seite, ein winziges Marsbaby schlüpft heraus und tollt im Wohnzimmer der Sprinkles umher. Hierauf erkundigt sich der Marsmensch, wie das auf der Erde vor sich gehe. Nach einigem Stottern und Stammeln finden die Sprinkles, dass es sich nicht recht beschreiben lasse; im Interesse der interplanetarischen Zusammenarbeit ziehen sie sich daher aus und führen die Sache vor. Hingerissen betrachten die Marsmenschen die Vorführung. Als alles vorüber ist, fragt die Marsfrau: “Wann kommt das Erdenkind heraus?” Gladys schüttelt den Kopf und erklärt, dass das neun Monate dauere. Da schütteln die Marsmenschen den Kopf, und dann fragt der Marsmann: “Wieso wart ihr beide am Schluss so erregt, wenn es noch gar nicht kommt?”
Das ist eine vernünftige Frage. Die Erregung gilt oft als Massstab der Leidenschaft und Befriedigung. Denkt man jedoch ein wenig nach, so sagt einem der Hausverstand, dass man die physischen Vorgänge intensiver erlebt, wenn man sie langsamer, bewusster erlebt. Einerseits behaupten wir, der Geschlechtsakt gehöre zu den grössten Freuden des Lebens, andererseits versuchen wir, ihn möglichst rasch zu beenden. In eurem Kulturkreis verwendet ihr viel von eurer Energie darauf, einen Orgasmus zu erreichen, der jedoch in den meisten Fällen das Ende des sexuellen Erlebnisses darstellt. Vielleicht sind Schuldgefühle und Hemmungen beim Geschlechtsakt auf einer unbewussten Ebene so stark, dass ihr ihn so rasch wie möglich hinter euch bringen wollt.
In meinem Kulturkreis des Fernen Ostens weiss man seit Jahrtausenden um den Wert der “ruhigen Erregung” - der Verlangsamung der sexuellen Funktionen, um Wahrnehmung und Genuss zu erhöhen. Transzendenter Sex (TS) ist ein Versuch, mit diesen alten Traditionen als Leitlinien zu einer neuen Auffassung des sexuellen Erlebens zu gelangen. Nicht um “satori”, die Einheit mit Gott, zu erreichen, nicht um mit Hilfe des Partners ein selbstbezogenes “High” zu erzeugen, sondern um einander gegenseitig grösseres Vergnügen zu bereiten, neue Dimensionen der sinnlichen Kommunikation zu erfahren und zu erleben, wie die körperliche Befriedigung durch Harmonie bereichert werden kann. Das heisst nicht, dass die sexuelle Vereinigung nicht auch eine religiöse oder geistige Dimension haben kann; aber das muss von selbst geschehen und darf kein vorausgeplantes Ziel sein.
Das wesentliche Ziel des Transzendenten Sex ist eine stärkere, freudigere Ausschöpfung des sinnlichen und sexuellen Potentials, das wir alle besitzen; die Einsicht, dass der Liebesakt um so menschlicher, sinnlicher und reicher wird, je mehr wir unsere unbegrenzten Fähigkeiten auf diesem Gebiet entwickeln.
Unserem physiologischen System sind bestimmte Reaktionen eigen. Diese Reaktionen stellen sich von selbst ein; sie müssen weder von aussen ausgelöst noch beschleunigt werden. Dein Körper weiss, was ihm Genuss bietet, er weiss, was er braucht, um ganz erfüllt und befriedigt zu sein.
Wenn du aufhörst, ihn zu kontrollieren, wenn du dich nur entspannst und ihm vertraust, bist du auf dem Weg zu einem transzendenten Liebesleben. Dazu gehört auch, den eigenen Körper zu lieben und seine Grossartigkeit zu schätzen. Dein Körper ist ein einziges riesenhaftes Werkzeug der Liebe. Dem Partner einen Körper zu schenken, den man liebt, ist eine wesentlich grössere Gabe, als ihm einen Körper anzubieten, den man vernachlässigt und niemals gewürdigt hat. Wer den eigenen Körper liebt und ihm vertraut, wird die Vorteile der ruhigen Erregung des TS viel klarer sehen, diesen Weg, sich selbst mehr Beachtung zu schenken, Zärtlichkeit zu geben und zu empfangen. Deine Haut ist dein grösstes Organ, und es hat einen unersättlichen Appetit nach Berührung. Von dem berührungsarmen Leben, das die meisten von euch führen, wird die Haut ausgehungert und frustriert.
In der Terminologie des TS bedeutet Gedankenlosigkeit das Nichtvorhandensein bewusster Gedanken: Sie gehört zu den erstrebenswertesten Zielen. Meditation heisst Gedankenlosigkeit oder, besser gesagt, das Abschalten des Denkprozesses, das es ermöglicht, tiefer ins eigene Bewusstsein vorzudringen. Beginnt man nach einem meditativen Zustand wieder bewusst zu denken, so ist dieses Denken zumeist klarer und schöpferischer, als hätte man den Geist in ein erfrischendes Bad getaucht, das alle Spinnweben und Trübungen beseitigt. Beim Sex zum Beispiel wird man nicht dadurch geschickter, dass man seine Gedanken darauf konzentriert, was als nächstes kommt, oder an bestimmte Techniken denkt, sondern nur dadurch, dass man das Denken sein lässt und den Sinnen erlaubt, das aufzunehmen, was immer sich bietet. Gefällt deinem Körper nicht, was gerade geschieht, dann wird er ganz von selbst etwas anderes versuchen; vertaue ihm. Dein Gehirn, das einem Computer gleicht, speichert unzählige Bilder, die dir all dein praktisches Wissen vermitteln. Aber diese Bilder sind nur dann von Nutzen, wenn du sie klar erkennst. Ein Kopf voller Gedanken stört dieses klare Erkennen. Auch Angst und Zweifel sind Störfaktoren. Das gilt für alle Tätigkeiten; um körperliche Fähigkeiten zu verbessern, vergisst man am besten den Verstand und lässt sich von gedankenloser Spontaneität leiten: Das ist Meditation. Meditation ist aber nicht anti-intellektuell, sondern sie schärft eher die intellektuellen Fähigkeiten, weil sie dem Verstand von Zeit zu Zeit eine Ruhepause gönnt; weil sie lehrt, den Denkprozess an- oder abzuschalten. In vielen alten sprirituellen Überlieferungen gilt die sexuelle Vereinigung als der höchste Glückszustand, den Mann und Frau erreichen können. Sie bringt uns der göttlichen Glückseligkeit näher als irgend etwas anderes. In der Vereinigung der männlichen und weiblichen Lebensenergien werde eine kosmische Kraft freigesetzt, meinte man. In einem gewissen Sinn haben wir alle diese kosmische Kraft erlebt - Augenblicke reiner Ekstase, die uns über uns selbst hinausheben und unser Bewusstsein erweitern. Es sind zumeist flüchtige und manchmal erschreckende Augenblicke, weil sie uns einen kurzen Einblick in das Unbekannte gewähren; ein Gefühl von etwas, das jenseits der Realität liegt. TS hilft uns, dieses Mysterium zu begreifen, wie wir durch ihn erkennen, dass diese grundlegende Lebenskraft natürlich und organisch ist. Wissenschaftler bemühen sich heute, den undefinierbaren Energieaustausch zu erforschen, der bei der Vereinigung von Mann und Frau stattfindet. Aber es ist nicht nötig, diesen Prozess genau zu analysieren, um Freude daran zu haben. Wenn du Geist und Körper beruhigst und einen ausgeglichenen emotionellen Zustand erreichst, wird diese Kraft von dir Besitz nehmen und dich in neue Bewusstseinszustände versetzen. Geniesse; lass dich von dieser Kraft hinwegspülen wie von einer warmen Flut. Aber versuche nicht, sie zu analysieren, denn das führt nur zur Frustration und unterbricht dein Erleben.
Ästhetik ist ein weiterer wesentlicher Faktor des TS. Bei vielen Menschen gleicht der Geschlechtsakt eher einem Ringkampf. Kleine Kinder, die Vater und Mutter bei der Liebe beobachten, glauben oft, dass hier etwas Gewaltsames vor sich geht. Es sieht brutal aus wie ein Kampf. Es ist hässlich, nicht schön. Das ist eine Verunglimpfung des Liebesaktes. Die beiden Partner sollten zusammen tanzen und nicht kämpfen. Ihre Bewegungen sollten harmonisch, anmutig sein wie in Zeitlupe. TS verlangt nicht, dass man von raschen sexuellen Bewegungen oder Stössen zu langsamen, leisen Bewegungen überwechseln soll, das hiesse nur, ein starres Muster des Liebesspiels durch ein anderes zu ersetzen. Unser Weg soll die Lust erhöhen, soll neue Alternativen des sexuellen Spiels aufzeigen und die Möglichkeiten der Erfüllung vermehren. Rasche, krampfartige Stösse während des Geschlechtsaktes sind nicht “falsch”, aber sie sind nicht der einzige Weg, um sexuelle Lust zu erzeugen, und vielleicht sogar der am wenigsten wirksame. Die Kriegskunst des Fernen Ostens hat uns gelehrt, dass der wilde Angriff auf einen Gegner mit einer Menge fehlgeleiteter oder falsch eingesetzter Energie wesentlich weniger wirksam ist als die weichen, fliessenden Bewegungen eines Menschen, der durch Meditation gelernt hat, Körper und Geist unter Kontrolle zu halten. Ebenso können wir lernen, dass sexueller Erfolg und die Befriedigung beider Partner nicht davon abhängen, wie rasch und wie angespannt, sondern wie bewusst und wie sensitiv wir sind. Ein Weinkenner verkostet den ersten Tropfen sehr langsam und erfreut sich an dem Geruch des Weins, dann leert er das Glas langsam bis zur Neige.
Er tut das nicht, um andere zu beeindrucken, sondern weil er nur auf diese Art ein Maximum an Geschmacksempfindung und Genuss erreicht.
Transzendenter Sex ist ein sehr intimes Erlebnis und ein Erlebnis des Teilens. Im Idealfall ist der Partner ein Mensch, für den du Liebe empfindest, jemand, dem du dich in deiner ganzen Verletzlichkeit darbietest, bei dem du keine Bedenken hast, dich gehenzulassen. Eine leidenschaftliche Verschmelzung männlicher und weiblicher Kräfte steht bevor. Deshalb sollte dein Partner jemand sein, von dem du ein Teil werden möchtest, so wie er ein Teil von dir wird. TS ist für Liebende bestimmt, nicht für zufällige Sexpartner. Man muss nicht verheiratet sein, ja nicht einmal in einer Beziehung stehen, die andere Partner ausschliesst. Aber jeder muss für den anderen echte Gefühle hegen. Und dein Partner muss ebenso bereit sein wie du, die Erfahrung des TS auszuloten. Dazu kann man niemanden überreden. Wenn dein Partner nicht den Wunsch empfindet, dieses Abenteuer mit dir zu erleben, dann verschwendest du deine Zeit. Sensivität gehört ebenso zur Partnerwahl wie zum Erleben der sinnlichen Wechselwirkung. Zumindest sollten sich beide Partner darauf freuen, gemeinsam etwas Neues zu erleben. Wähle zunächst eine dir entsprechende Umgebung. Es kann das Schlafzimmer oder das Wohnzimmer, es kann auch die freie Natur sein. In jedem Falle solltet ihr beide in der Zeit, die ihr miteinander verbringt, ungestört sein. Vielleicht willst du deine Umgebung gestalten - mit Blumen, Wohlgerüchen, Kerzenlicht, Musik, was immer dir gefällt. Wenn du nicht in die richtige Stimmung kommst, so nimm es einfach zur Kenntnis und verschieb den Versuch. Geniesse das, was dir der Augenblick bringt, denn was ist, kannst du nicht ändern, nur darauf eingehen. Kommt es zu einem Orgasmus, so lass es geschehen; offenbar braucht ihn der Körper in diesem Moment. Man kann immer zu den sanften Berührungen zurückkehren. TS gibt dir die Freiheit, dich berühren, dich lieben, dich streicheln zu lassen; alle Hemmungen sind schädlich für Körper und Geist.
Beim TS soll der Orgasmus nicht absichtlich verzögert werden, um das Vergnügen zu verlängern. Eine solche Verzögerung setzt die negative Annahme voraus, dass das Vergnügen mit dem Orgasmus zu Ende sein muss. Einige Übungen erinnern daran, dass man Erregung empfinden und diese Erregung wieder abklingen lassen kann. Ist der Orgasmus nicht aufzuhalten, so lass es geschehen. An den letzten Börsenbericht zu denken, um ihn hinauszuzögern, ist lächerlich. Es ist, als wolle man den Geschmack einer köstlichen Speise strecken, indem man geschmacklose Speise hinzufügt.
Beschäftigt man sich nicht voll und ganz mit dem, was vor sich geht, so lenkt man das Bewusstsein von etwas ab, das einem Lust bereitet; das verlängert nicht, das unterbricht und verzögert nur. Wenn du dich hingegen auf dein Vergnügen konzentrierst, besteht eine gute Chance, dass sich dieses Vergnügen verlängert.
Immer wieder werde ich dich auffordern, dich zu entspannen, lockerzulassen, dich gehenzulassen. Sex ist am schönsten, wenn sich beide Partner gleichzeitig fallenlassen, aufgeben. Dazu gehört die Aufgabe aller Ansprüche, aller Rollenvorstellungen, Aufgabe des Ego und Erwartungen. Hast du alles aufgegeben, wird dir auf einmal klar, dass du in Wahrheit nichts aufgegeben, sondern eine neue Erkenntnis deines wahren Selbst gewonnen hast.
Während all der Jahre, die du mit deinem Körper gelebt hast, hast du dir vielleicht nie die Zeit genommen, ihn wirklich kennenzulernen. Um ein sensitiver Liebespertner zu sein, muss man ein sensitiver Mensch sein, und du bist die geeignetste Person, an der du deine Sensivität erproben kannst.
Wenn man jemand anderem eine Freude bereiten will, so ist es gewöhnlich am besten, etwas zu tun, was einem selbst auch Freude macht. Streicheln und Zärtlichkeit an dir selbst zu erproben, hilft dir festzustellen, was angenehm ist, und gibt dir ein Gefühl dafür, was der Partner empfindet,, wenn du ihm Vergnügen bereitest. Dem anderen zu geben, was man selbst geniessen würde, schafft eine geistige Verbindung, ein besonderes Band zwischen den Partnern, und die Lust wird entsprechend stärker. Streiche mit einem Finger deiner Hand über alle deine Körperteile, die du erreichen kannst. Versuche wahrzunehmen, wie der Finger deinen Körper und der Körper deinen Finger spürt. Frage dich, welche Körperteile besonders gern berührt werden und ob sie vielleicht während des Geschlechtsverkehrs überhaupt nie berührt werden. Setzt euch einander gegenüber. Du kannst die Beine in der Lotosstellung verschränken oder jede andere sitzende Stellung einnehmen, die dir angenehm ist. Ein Partner kann auch die Beine ausstrecken und sie über die Beine des anderen legen. Wichtig ist nur, dass ihr euch entspannt fühlt, keine Muskeln anspannt, denn das lenkt ab. Zuerst seht ihr einander nur an. Prüft den Körper des Partners mit den Blicken. Ihr schweigt, doch ihr könnt mit den Augen und mit dem Gesichtsausdruck Gefühle vermitteln.
Schliesst die Augen, sobald ihr glaubt, dem anderen etwas mitgeteilt zu haben. Jetzt legt euch gegenseitig die Hände auf die Wangen, lasst sie dort ruhen und spürt die Wärme und die Beschaffenheit eurer Haut. Du bleibst bewegungslos. Die Hände deines Partners beginnen sich langsam zu bewegen, streichen über dein Gesicht, deinen Kopf, deine Ohren, deinen Nacken. Sehr langsam gleiten sie über deinen ganzen Kopf. Ganz sanft berühren sie deine Haut. Du konzentrierst dich auf die Empfindung des Berührtwerdens. Wenn Gedanken dich ablenken, überlege eventuell, wie es sein wird, wenn du an die Reihe kommst zu berühren. Lass diese Gedanken vorbeifliessen. Halt sie nicht fest, aber kämpfe auch nicht gegen sie an. Sag im Stillen zu ihnen: “Jetzt nicht”, denn du kannst ja immer zu ihnen zurückkehren, nie aber zu dem Erlebnis des Augenblicks. Nachdem der Partner deinen ganzen Kopf erforscht hat, nimmt er seine Hände langsam zurück, so langgsam, dass du es kaum spürst. Beide bleibt ihr eine kurze Weile ruhig und bewegungslos. Dann werden die Rollen getauscht; wieder liegen die Hände zu Beginn auf den Wangen. Danach wieder ein Augenblick ruhiger Besinnung. Ihr wechselt immer noch kein Wort.
Jetzt beginnt der erste Partner Schultern und Arme des anderen zu berühren.
Bevor die Rollen getauscht werden, eine kleine Pause.
Nun berührt euch gleichzeitig, wo immer ihr wollt, konzentriert euch auf jede Hautstelle, seht in ihr eine Ganzheit, gleichgültig, wo sie sich befindet. Vielleicht wollt ihr die Genitalien in diese einleitende Erforschung nicht einbeziehen oder sie nur kurz berühren, als wären sie irgendein Körperteil ohne besondere sexuelle Bedeutung. Ihr solltet euch zu Beginn der Übung entscheiden, ob ihr die Genitalien auslassen wollt oder nicht. Vielleicht wirst du von Zeit zu Zeit während der Berührung erregt.
Das ist natürlich. Das ist angenehm. Geniesse es. Mach dir bewusst, wie wohl sich dein ganzer Körper fühlt. Es entsteht eine Wechselwirkung zwischen Sinnlichkeit und Sexualität. Wichtig ist, dass ihr nicht bewusst versucht, sexuelle Erregung zu erzeugen. Was geschieht, geschieht.
Unterbrecht das Erlebnis nicht durch einen Geschlechtsakt oder einen Orgasmus, auch wenn ihr erregt seid. Niemand leidet, wenn er nicht sofort sexuelle Entspannung erfährt. Das ist ein Mythos, den es zu zerstören gilt, denn er blockiert viele sinnliche Freuden. Ihr könnt einander berühren, solangge ihr wollt. Am Schluss aber sollt ihr einander umarmen und einige Minuten in dieser stillen Umarmung verharren. So kann man die Wärme und die Energie des Partners fühlen und die gemeinsame Erfahrung in sich aufnehmen.
Vielleicht wollt ihr dann über eure Gefühle sprechen, über das, was ihr individuell erlebt habt. Vielleicht wollt ihr jetzt den Liebesakt vollziehen. Dieses eine Erlebnis ist vorbei, und was immer ihr nachher tut, kann es nicht stören oder schwächen. Vielleicht fühlt ihr euch auch sehr befriedigt und begnügt eucch damit, ruhig zusammenzusein, vielleicht trennt ihr euch nach dem gemeinsamen Erlebnis und jeder geht seine eigenen Wege.
Lass den anderen wissen, wie du dich fühlst und was du haben möchtest.
Manchmal sagt uns unsere Programmierung, dass jetzt ein Gescchlechtsakt stattfinden müsse, in Wahrheit fühlen wir uns jedoch auch ohne Sex voll befriedigt. Kennst du diese Art der Befriedigung noch nicht, so ist dies eine wertvolle neue Erfahrung. Aber auch wenn du erregt bist und sexuelle Betätigung willst, hast du in deinen meditativen Fähigkeiten nicht versagt.
Aktzeptiere dich als sexuelles Geschöpf und geniesse diesen Teil deiner Persönlichkeit. Geniesse, was immer auch geschieht, wohin immer deine Gefühle dich tragen. Eines der Ziele des TS ist es, zu erreichen, dass deine gesamte Hautoberfläche ebenso erregbar und sexuell empfindsam wird, wie deine Geschlechtsteile. Es mag weit hergeholt klingen, aber wenn du das aktzeptierst, gelangst du vielleicht zu der Einsicht, dass das Gehirn deine einzig wirklich erogene Zone ist. Die Berührung deiner Geschlechtsteile erregt dich vor allem, weil du erwartest erregt zu werden. Natürlich ruft das Berühren und Streicheln der Genitalien physiologisch angenehme Empfindungen hervor, ein Grossteil der Wirkung beruht jedoch auf vorgefassten Vorstellungen, die ihrerseits auf Erinnerungen, Konditionierungen und Erwartungen basieren. Die folgende Übung soll dir ein besseres Verständnis dieses Phänomens vermitteln, so dass du die Berührung der Geschlechtsteile als neues Werkzeug der Bewusstmachung verwenden kannst.
Sitzt oder liegt in einer bequemen Stellung. Entscheidet, welcher Partner beginnen soll. Dieser Partner legt seine Hand langsam auf die Geschlechtsteile des anderen; das volle Gewicht seiner Hand wird nur allmählich spürbar. Er beginnt langsam zu streicheln. Er soll nicht darauf abzielen, den Partner zu erregen; das Streicheln soll eine Zärtlichkeit für diesen anderen Menschen, für einen bestimmten Körperteil dieses anderen Menschen sein; eine Wechselwirkung zwischen zwei Personen, kein Hand-Genitalien-Kontakt. Nach ein paar Minuten mit dem Streicheln aufhören, langsam die Hand hochheben. Jetzt sollen beide Partner die AUgen schliessen, wenn sie es nicht bereits getan haben. Sitzt ruhig da und lasst die Empfindungen auf euch einwirken. Nach ein, zwei Minuten werden die Rollen getauscht. Nachher bleibt beide eine Weile ganz still sitzen.
Während der folgenden drei, vier Minuten streichelt gegenseitig eure Geschlechtsteile. Dieses Streicheln soll sehr sanft und sehr zärtlich sein.
Anmerkung: Es soll hier nochmals darauf hingewiesen werden, dass es ganz in Ordnung ist, während der Übung erregt zu werden. Es ist auch ganz in Ordnung, zu Sex und Orgasmus überzugehen. Wir versuchen, eine andere Einstellung und erhöhte Sensivität zu erreichen, nicht unbedingt andere Resultate.
Allmählich werdet ihr feststellen, dass das Streicheln der Geschlechtsteile sehr angenehm ist, auch wenn es nicht zum Geschlechtsverkehr führt. Ihr könnt einander streicheln und sogar erregen und allmählich wieder aufhören, ohne ein Gefühl der Frustration zu empfinden. Das befreit euch physisch wie emotionell. Es gibt euch zum Beispiel die Möglichkeit, zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Situationen, wenn ein Geschlechtsverkehr nicht möglich ist, die Genitalien zu berühren. Wenn es eine Vielzahl von Stellungen beim Geschlechtsverkehr gibt, so gibt es noch mehr, die das sinnliche Empfinden fördern; vielleicht sind deine Erfahrungen auf diesem Gebiet noch beschränkt. Probiere mit deinem Partner die verschiedensten Stellungen aus, um neue Arten der Berührung kennenzulernen. Bei einer Stellung lehnt sich ein Partner an den anderen, von dessen Armen und Beinen eingeschlossen. Der sich zurücklehnende Partner liegt vor dem anderen, sein Rücken ruht an der Brust und Magen des Partners. Das vermittelt das warme Gefühl, behütet zu werden, und ermöglicht es, aneinander auf neue Art zu streicheln und in einer neuen Perspektive zu sehen.
Eine andere Perspektive ergibt sich, wenn man Kopf an Fuss liegt. So kann man mit Füssen und Beinen des Partners spielen und das Gefühl für den eigenen Körper und den des anderen erweitern. In diese Stellung einzuschlafen, ist vielleicht auch ein neues Erlebnis. Wenn meine Katzen zusammen schlafen, nehmen sie so viele faszinierende Stellungen ein, dass ich oft gedacht habe, wie phantasielos die Menschen in ihren Schlafstellungen doch eigentlich sind.
Liegt ihr auf dem Rücken einander gegenüber, und eure Fusssohlen berühren sich gegenseitig, so könnt ihr eure Füsse im Gleichgewicht halten oder gegen die Sohlen des anderen drücken, bis sich die Füsse langsam heben. Ihr könnt euch einander wieder nähern, während die Füsse des einen Partners entlang den Beinen des anderen zu dessen Geschlechtsteilen gleiten.
Zu dieser Übung benötigt ihr etwas Massageöl. Dein Partner legt sich hin und breitet ein Handtuch unter seine Genitalien, um Teppich oder Laken zu schonen. Reibe dein Hände mit ™l ein und schütte eine ordentliche Portion auf die Geschlechtsteile deines Partners. Streiche mit weichen, zärtlichen Bewegungen über die gesamte Genitalzone, verteile das ™l überall, auch an der empfindlichen Stelle zwischen After und Genitalien.
Schliesse die Augen und lasse die Berührung zu einer Meditation ohne bestimmten Zweck werden; erlaube einfach allen Empfindungen, auf dich einzuströmen. Setze die Übung mindestens zehn Minuten fort. Nach ein, zwei Minuten schweigender Reflexion werden die Rollen getauscht. Dies ist eine Erforschung eurer aktiven und passiven Teile. Ein Partner legt sich hin, und der andere versucht, ihm etwa zehn Minuten lang möglichst viele angenehme und lustvolle Empfindungen zu vermitteln, aber keinen Orgasmus.
Der liegende Partner darf nichts erwidern, er muss völlig ruhig und passiv bleiben. Nur Seufzer und ähnliche Laute sind erlaubt. Sind die zehn Minuten vorüber, werden die Rollen schweigend getauscht. Jetzt ist der bisher aktive Partner in der passiven Rolle.
Diese Übung soll die Phantasie anregen und den Geist entspannen. Diese Übung soll dich mit den Geschlechtsteilen des Partners vertraut machen, denen du liebevolle Aufmerksamkeit zuwenden sollst. Lass dir Zeit dabei, und mach dir keine Sorgen darüber, wann dein Partner drankommt. Ihr könnt euch auch dafür entscheiden, dass ein Partner die passive, der andere die aktive Rolle übernimmt und ihr zu einem späteren Zeitpunkt die Rollen tauscht. Ein Partner liegt auf dem Rücken. Der andere liegt bequem, sein Kopf ruht auf oder in der Nähe der Genitalien des liegenden Partners.
Betrachte die Geschlechtsteile des anderen, rieche sie, spüre sie, schmecke sie. Fühle ihre Wärme an deiner Wange, an deinem Hals, an deiner Stirne.
Berühre sie von Zeit zu Zeit mit den Lippen, mit der Zunge, ja selbst mit den Zähnen. Bereite deinem Partner Lust, nimm deine eigenen Empfindungen wahr. Ruhe, eng an die Genitalien des Partners geschmiegt, und fühle seine Wärme und Energie. Ihr könnt auch in dieser Stellung einschlafen oder sie nach dem Orgasmus einnehmen.
Dies ist ein ritualisierter Akt der Liebe, der in einem ganz langsamen Rhythmus vollzogen wird. Dein Partner liegt auf dem Rücken, du sitzt oder kniest. Sieh deinen Partner als die Verkörperung all dessen, was gut und schön im Menschen ist. Dein Partner liegt entspannt und mit geschlossenen Augen vor dir, bereit, jedes Erlebnis in sich aufzunehmen. Betrachte jeden Teil seines Körpers, jede Nuance, jede Schattierung. Beginne den Körper deines Partners sehr langsam und sehr sanft zu küssen. Bedecke jeden Körperteil, auch die Genitalien, mit leichten, zärtlichen Küssen. Lecke langsam seinen ganzen Körper. Nimm von Zeit zu Zeit ein kleines Stückchen Haut zwischen die Zähne und kneife es ganz sanft, ohne die Zähne zu schliessen. Dieser leichte Biss soll einen Kontrast zu dem langsamen Lecken bilden. Dann dreht sich dein Partner um, und du fährst mit dem Küssen und Lecken fort. Nachdem du so seinen ganzen Körper erfasst hast, nehmt euch schweigend in die Arme, dann tauscht die Rollen. Eigentlich ist das eine Zeremonie der Verehrung, bei der jeder Partner dem anderen mit Lippen, Zunge und Zähnen seine Huldigung erweist.
Dies ist ein kleines Spiel, um die Sensivität deiner Geschlechtsteile zu erproben und dich mit neuen, angenehmen Berührungen bekanntzumachen. Ein Partner liegt auf dem Rücken und spreizt die Beine, so dass die Genitalien leicht zugänglich sind. Der andere Partner berührt sie sanft mit irgendeinem Teil seines Körpers. Der liegende Partner nimmt diese neue Berührung wahr und versucht zu erraten, welcher Körperteil des Partners seine Genitalien berührt.
Das kann amüsant sein, und du kannst diesen Versuch variieren, wie es dir Spass macht. Das Erlebnis kann auch sinnlicher und weniger spielerisch werden, wenn ihr nicht den Körperteil erratet, sondern nur die Berührungen geniesst.