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Das geile Telefongespräch

Telefon. NERV! Nein, nein, nein, immer diese Anrufe zur falschen Zeit! Oh, SIE ist es! Schnell auf den Knopf an meinem Ohr gedrückt und das Gespräch entgegen nehmen. Es ist einfach zu selten, dass sie mich anruft.
“Hallo hallo?” Allein ihre Stimme haut mich jedes Mal um. Nur nichts anmerken lassen…
Unerwartet fröhlich ist sie am Telefon. Seltsam. Zu seltsam. Ihre Laune scheint blendend entgegen der sonst üblichen, meist recht genervten Art. Aber heute scheint sie ansteckend gut drauf zu sein, was sich augenblicklich auf mich überträgt. Da ich gerade im Stress bin, bleibt das Gespräch kurz. Lidl, Aldi, Combi, Marktkauf. Werkstatt, dann zu Omas neuer Wohnung, den Schlafzimmerschrank aufbauen, kluge ( oder auch nicht ) Sprüche von Daddy kassieren und den immerwährenden herzerfrischenden Konflikt zwischen Daddy und Onkelchen beobachten. Köstlich….
Sie geht mir nicht aus dem Sinn. Ihre erfrischend andere Laune. Lichtblicke, die mir den Tag verschönern, Augenblicke, an die ich noch lange denke, die mich wärmen, die mich…. kopfschüttelnd konzentriere ich mich auf den Schrank, der mir beinahe ins Kreuz gefallen wäre. Mein Dad ist laut und prollig aber nicht blöde; er sieht genau, was mit mir los ist. Sein Blick streift meine Seele und ich komme mir vor wie ein abgegriffenes Buch in der Leihbücherei. Und wie ich erwartet habe, der Spruch:
“Ich hoffe, du weißt, was du tust”

“Wer weiß das schon?” Erwidere ich, und Dad lacht schallend, sehr zum Unmut meines Onkels, der Lachen offenbar für eine Geisteskrankheit hält.
“Mach dich vom Acker, ich komm alleine klar” Mein Dad ist echt ne Wucht in Tüten. Eilig schieße ich durch den Verkehr, der wie ein Videospiel vor mir abläuft. Noch 45 Kilometer. Dann, als der Wagen endlich geparkt ist, wache ich auf. Resümiere, was bisher alles geschehen ist und was noch hätte geschehen sollen. Der Vergleich mit der Realität ist müßig. Ich öffne die Tür, sehe sie an. Ihre Haarfarbe ist verändert. Rot. Sie ist durchsetzt mit roten Strähnen, steht ihr hervorragend im Gegensatz zu vorher. Es gibt ihrem Gesicht Tiefe und hebt ihre stahlblauen Augen noch einmal hervor. Diese Augen, die mich vor langer Zeit schon gefesselt haben für den Rest dieses Lebens. Hatte ich erwartet, dass sie wieder einmal unmutig ist, oder mürrisch oder unzufrieden, sah ich mich enttäuscht. Ihre Laune war blendend, freudig begrüßte sie mich und ließ mich ein. Sofort schlugen sämtliche Alarmglocken in mir an… entweder etwas schreckliches würde nun geschehen, eine Art emotionaler SuperGAU, oder etwas besonders schönes. Dazwischen gab es nichts. Nicht jetzt, nicht hier, nicht mit ihr.
Selbst ihr Gang war locker und gelöst, ich erkannte sie nicht wieder. Zu lange war es her, dass ich sie so… beschwingt gesehen hatte. Und doch freute ich mich, sie so zu sehen. So in sich ruhend, zufrieden und entspannt. Ich sah sie an mit den Augen eines Kindes, das etwas faszinierendes, Neues entdeckt hatte.
Und doch kroch in mir die Ahnung hoch, dass sich das wieder ändern würde. Bald schon. Doch ich wollte das Hier und Jetzt genießen und verdrängte die Ahnungen. Schützen können das besonders gut. Sie ging ins Bad, hatte noch etwas zu erledigen, ich setzte mich an ihren Rechner und begann mit dem Formatieren der Platte. Neustrukturieren, ja war es das? Hatte sie sich gar selbst auf wundersame Weise formatiert? Ich hoffte, nicht. Denn dabei würde etwas unwiederbringlich verloren gehen. Und das wollte ich ja nicht, ich liebte sie so, wie sie war. Na ja, die meiste Zeit über ;-)
Ich wusste nicht recht, was geschah, genoss es aber mit jeder Faser. Allein der Blick ihrer Leuchtfeueraugen, die ab und zu aus dem Bad herüber sahen, machten mich nachdenklich. Sie stand an der Badewanne, beugte ihren Oberkörper zurück und sah mich an. Nein, ihr Blick brannte sich auf mich, durchdrang mich. Was zum Teufel war hier los? Jetzt, wo ich mit der Tatsache abgeschlossen hatte, dass Nähe keine Option für eine Beziehung ist und sie mich nie wieder an ihren Kern lassen würde, kam der Plot- Point in unserer Beziehung. Beziehung? Hatten wir eine? Ja natürlich. Eine wie-auch-immer-geartete Beziehung. Aber es war eine, ganz sicher. Vielleicht eine seltsame, getragen von Vorbehalten, Ansprüchen, Attitüden und Erwartungen. Aber auch von Vertrauen, Mut, Offenheit und von meiner Liebe.
Nun, während der dumme Rechner munter vor sich hin formatierte, hatte ich Zeit genug, die Programme vorzusortieren, die installiert werden sollten. Win XP, Office 2000, hoppla.
Unbemerkt war sie an mich herangetreten und legte ihre Hände auf meine Schultern. Tastend, forschend… selten, dass sie mich auf diese Weise berührte, und wieder vermeinte ich, mich in einem sehr langen Traum zu befinden. Ein Stoßgebet an alle Wecker dieser Welt, einem Fluch gleichend. Mögen euch die Klöppel abfallen….
Sie glitt um mich herum, setzte sich auf meinen Schoß. Sah mich an. Scheinwerferaugen. Blau. Groß. Neugierig. Und ich sah die Frau, die ich seit 4 Jahren ?kannte? und auch wieder nicht, fassungslos an. Mit den Augen eines Kindes, das etwas neues, aber doch Bekanntes sah. Und spürte. Ihre Präsenz, ihre Nähe und die Wärme, die auf mich überströmte, war so bekannt und doch so selten, dass ich überwältigt und staunend vor meinen sorgsam bedeckten Gefühlen stand, derer ich kaum Herr zu werden vermochte. Es waren aber nicht nur ihre Augen oder ihr faszinierendes Gesicht, nein. Sie war mehr. Viel mehr, vom ersten Augenblick an. Ihre Haut, ihre Aura. Ihre Verletzlichkeit, ihre Kraft. Ihr Mut und ihr Schmerz. All das spiegelte sich in ihren Augen. Ein unerschöpflicher Quell an Erfahrungen und Leid. An traumhaft schönen Bildern und schrecklichen Erkenntnissen. Dafür… liebte ich sie. Schmerzlich wurde mir bewusst, dass nach dem Gipfel das Tal kam, nach dem Fall die Auferstehung, nach Nähe Distanz. Und ich lächelte. Ja, glasklar. Doch was hatte ich zu verlieren? Genießen. Die siebente Karte. Leere. Und der Raum dazwischen. Die kurze Zeit, die wir Menschen mit Bewusstsein und Leben zu füllen vermögen. Oh, wie sehr ich sie jetzt auf den Rücken werfen würde. Mir nehmen, was ich… stopp. Nein, nicht so schnell. Was ich nicht freiwillig bekomme, will ich nicht haben.
Und als ob sie meine Gedanken lesen könnte:
“Warum nimmst du es dir nicht einfach?” Sie kokettiert. Sie spielt mit meinem Zwiespalt zwischen Vernunft und Respekt. Und verflixt, gerade, wo ich dachte, ich hätte eine Chance, sie zu handeln, wirft sie alles um. Biest… das wirst du büßen.
Ja… Zeit, alte Muster über Bord zu werfen. Und doch wieder nicht, denn das war das Signal, auf das ich gewartet habe.
Sie wehrte sich mit aller Kraft. Keine Chance, und du weißt es, ja du weißt es. Innerhalb von Sekunden lagen wir auf dem Boden, ich hielt ihre Hände über ihrem Kopf zusammen. Sie drehte sich, wand sich, stieß mich von sich. Schlug mir ihre Faust gegen den Brustkorb. Stieß mich mit den Füßen von sich und flüchtete sich in eine Ecke, machte es mir so schwer, wie sie es vermochte. Und bei Gott, es war schwer.
Ich stand auf, zog die Jeans aus, fixierte sie mit Blicken. In ihren Augen stand gespannte Erwartung und Gier. Hemd und Shirt zog ich zusammen über den Kopf und ließ es achtlos fallen. Nur den Blick nicht abwenden.
Langsam näherte ich mich, kniete mich hin und zog sie mit einem Ruck an den Füßen zu mir. Riss ihr den Slip von den Beinen. Ja, wehr dich! Nur mit Mühe werde ich ihrer Beine Herr, greife nach ihren Händen und nähere mich ihrem Gesicht. Schwer atmend, den Anstrengungen Tribut zollend sehen wir uns lange an. Trotz ist jetzt in ihren Augen. Ja, komm schon! War das alles, was du drauf hast? Sie verbeißt sich in meiner linken Schulter. Nur keine Mine verziehen, ich presse die Zähne zusammen. Komm schon, das kannst du doch besser! Sie beißt zu, der Schmerz wallt wie ein Schleier vor meinen Augen, aber ich zucke weder zurück, noch zeige ich ihr eine Reaktion. Dann dreht sie sich weg, will fliehen, aber ich erwische ihren Fuß, ziehe sie abermals zu mir heran. Keine Spielereien mehr jetzt! Mein Gewicht presst sie auf den Boden, meine Beine zwängen sich gewaltsam zwischen die Ihren, unsere Lippen verschmelzen zu einem gierigen Kuss. Hatte ich erwartet, dass sie mich wieder beisst? Dann tauche ich in sie. Ihre Beine umklammern mich plötzlich, ihre Hände auf meinem Hintern geben den Rhythmus vor. Presto. Hart umfasse ich ihre Brüste und beiße mit dem Eckzahn in ihre Brustwarze. Klammern? Wozu…. Ihr Aufstöhnen zeigt mir, dass es richtig ist, ihre Nässe spricht eine eigene Sprache. Ihr Duft, der mich umströmt wie eine Wolke und den ich riechen kann zu jeder Stunde, umfängt mich, vermischt sich mit meinem. Gott, wie ich sie liebe, wenn sie mit geschlossenen Augen daliegt, in selig- bebender Erwartung meiner harten Hand harrend. Sanft streiche ich über das feine Haar ihrer Scham. Für einen winzigen Augenblick stelle ich mir vor, wie es jetzt wäre, sie von diesem störenden Vlies zu befreien, doch nicht jetzt und hier.
“Schlag mich” Ihre Worte lösen eine meiner Barrieren, aber gleichzeitig kommt meine Ratio aus irgend einer längst vergessenen Ecke hervor. Nein!
“Gib mir einen Grund!”
“Ratte!” Sie sagt es liebevoll, aber nicht ohne ein Quentchen Ernst. Und das reicht. Ich zwinge ihre Beine auseinander, kein Widerstand diesmal.
Viel zu dicht ihr Haar, es schwächt die Wucht meiner Hand, und diesmal ärgere ich mich darüber. Über ihre Lippen streichend zögere ich den Schlag hinaus. Entferne meine Hand und sie spannt ihre Muskeln an. Atemlos. Wartend. Ich spiele mit ihrer Erwartung. Nein, noch nicht. Zart berühre ich wieder ihre Lippen, streiche darüber, liebkose sie mit den Fingerspitzen. Hebe wieder die Hand. Wieder spannt sich ihr Körper in Erwartung des Schlages. Nein, wieder nicht. Erst in dem Moment, wo sich ihre Muskeln entspannen, schlage ich ansatzlos zu. Ihre Nässe verteilt sich in meiner Hand, ihre Lust überströmt mich, macht mich trunken. Ihr Gesicht, ihr so unglaublich schönes Gesicht… so entspannt und doch so erwartungsvoll gespannt…
Später, tief in der Nacht, liegen wir im Bett. Selige Müdigkeit umhüllt uns wie ein feiner Nebel. Sie dreht mir den Rücken zu und ich schmiege mich an sie. Andocken, ja. Ich lächle in die Nacht, trinke ihre Stimme. Genieße ihre Nähe, ihre Haut, ihren Duft. Meine Hand schiebt sich unter ihr Shirt, kommt auf ihrer Brust zu liegen. Ich spüre jeden Schlag ihres Herzens unter ihrer zarten Haut. Ruhiger und flacher werden die Herzschläge, dann schläft sie. Das Erste Mal in meinen Armen. Ihre Hände umklammern meinen Arm, halten mich fest. Nein Liebste, ich gehe nicht. Noch nicht. Und selbst wenn ich fort bin, ich bin immer da. Für dich. Meine Liebe, meine Kraft, meine Stärke… alles, was mich ausmacht wird für immer dir gehören. Und du weißt es.
Als draußen vor dem Fenster die ersten Vögel ihr Lied anstimmen und ich sicher bin, dass sie tief schläft, stehe ich auf. Ein kurzes Aufbegehren, als ich mich ihr entziehe, dann liegt meine Liebste ruhig da und träumt. Ein letzter Blick, dann geht ein Ruck durch meinen Körper und das alte Gefühl ist wieder da. Abscheu. Ich hasse mich dafür, dass ich gehe. Gehen muss. Und ich beneide den Mann, der jede Nacht neben dieser Traumfrau liegen darf. Wie gern würde ich tauschen, aber er gehört zu ihr. Und das ist eine Tatsache, an der ich nicht rühren will, denn sie liebt ihn. Oh ja, sie liebt ihn.
Liebevoll ruht mein Blick auf ihrem wunderschönen, schlafenden Gesicht. Friedvoll und gelöst. Ja… mich liebt sie auch, das weiß ich. Woher ich das weiß? Scheiße ich weiß es einfach…. ;-)

Im Spiegel sehe ich noch heute ihr Bissmal. Bläulich schillert es auf meinem Schlüsselbein. Ihr Zeichen, ich trage es mit Stolz. Leider wird es bald blasser werden. Leider. Aber es werden neue Zeichen kommen. Dessen bin ich mir absolut sicher, und ich lächle mein Spiegelbild an, das mir heute morgen überhaupt nicht wie eine Fratze vorkommt, sondern wie das Bild eines Mannes, der auf seltsame Weise aus sich heraus zu glühen scheint… bin ich das etwa? Wenn ja, dann mag ich den Kerl da… denn seine Augen strahlen…

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